Fehlende Blogroll = fehlende Kultur
von am 21. Mai 2008Als Blogroll bezeichnet die Blogger-Szene jene Links in einem Blog, die dokumentieren, welche anderen Blogs der Autor eines Blogs liest. Besim setzt sich in einem Beitrag in seinem Blog sehr forsch mit der Thematik der Blogroll auseinander und kommt darin zu einem schnellen Urteil, eine fehlende Blogroll offenbare eine fehlende Blogkultur. Das sitzt. Fraglich bleibt, ob solch harsche Kritik berechtigt ist.
Keine Sorge, das Fass mit der Frage, ob Kultur ein positiv wertendes Phänomen darstellt oder nicht auch in wertneutraler Variante auftreten kann bleibt zu. Allerdings: Hänge man der Alternative zwei an, wonach eine Kultur das ist, was sich ergibt, wenn Menschen zusammenleben, so gibt es keine fehlende Kultur.
Darüber hinaus muss jede Blogschreiberin, jeder Blogschreiber mit sich ausmachen, welches Selbstverständnis er bzw. sie hat. “Me too” gibt es im Internet schon im Überfluss, eher unterentwickelt ist hingegen – zumindest in Deutschland – eine breite alternative Szene, die so etwas wie eine Gegenöffentlichkeit zu den etablierten Medien darstellen könnte. Damit aus vielen einzelnen Autoren eine solche Szene werden kann, bedarf es in der Tat einer Vernetzung, die mit den Mitteln des Internets ganz einfach zu bewerkstelligen ist. Allerdings bin ich der Meinung, dass eine solche Vernetzung nur über Themen sinnvoll ist. Die meisten Blogrolls lassen eine thematische Anschlussfähigkeit der präsentierten Links allerdings nur erahnen.
Bedarf eine vernünftige thematische Vernetzung nicht vielmehr einer konsequenten Linkbasis innerhalb von Artikel und Seiten? Damit sind Links auch kein Selbstzweck mehr, sondern stellen einen Mehrwert für die Nutzerinnen und Nutzer eines Blogs dar. Gelingt dies, wird sich die Blogger-Szene weiter entwickeln können und die Medienwelt möglicherweise nachhaltig verändern, gelingt es nicht, werden die Blogs bleiben was sie sind, eine mediale Randerscheinung.

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