Antrittsbesuch zum Peter– und Paulsfest
Einiges verbindet die Partnerstadt Osijek an der Drau in Ostslawonien in diesen Wochen mit Pforzheim. Kürzlich mussten sich auch hier die 110 000 Einwohner zwischen vier OB Kandidaten entscheiden. Der erste Wahlgang brachte auch hier nicht die erforderliche Mehrheit für einen Kandidaten. Im zweiten Wahlgang, an dem sich nur 39 Prozent der Wähler beteiligten, kam es zur Abwahl des bisherigen Amtsinhabers Anto Dapic, der allerdings noch ein Stadtratsmandat hat. Knapp 66 Prozent der Bürger entschieden sich für den 36–jährigen Kresimir Bubalo, der an Josip Juraj Strossmayer Universität in Osijek Wirtschaftswissenschaften studiert hat. OB Kresimir Bubalo ist für vier Jahre gewählt, hat drei Söhne, war bisher im Bankgewerbe aktiv und bereits Gespann, was bei uns die Funktion eines Landrates ist. Seine zwei hauptberuflichen stellvertretenden Bürgermeister sind Danijela Lovokovoc, die bereits einige Zeit die verwaiste OB Stelle 2007/2008 verwaltete und Ivan Vrdoljak. Zum Präsidenten des Stadtrates, der auch die Sitzungen leitet, wählten die 25 Stadträte den ehemaligen OB Gordon Matkovic.
Rolf Constantin, der beim Empfang im Rathaus anlässlich des Peter – und Paulfestes die Stadt Pforzheim vertrat, überbrachte die Grüße und guten Wünsche der Stadt Pforzheim zur Wahl von Kresimir Bubalo, sprach dabei von einem jungen dynamischen Team, streifte die Kontakte beider Städte, die bis in die Staatsgründung von Kroatien 1991 zurückreichen und warb für ein weiteres vertieftes Miteinander. Der neue OB würdigte bereits beim Empfang der Vertreter der Partnerstädte am Vorabend des Festes dieses Miteinander und betonte die Kontakte fortsetzen zu wollen. Gleichzeitig erinnerte er auch die vielfältigen Hilfen in schwerer Zeit.
Nach der Gründung der Erzdiözese Dakovo – Osijek im vergangenen Jahr hat nun Osijek mit Juro Hranic einen Bischof und so wurde die Peter und Paulskathedrale nun zur Bischofskirche erhoben. Der neue Bischof war bisher Weihbischof in Dakovo, spricht hervorragend Deutsch und promovierte in Rom. Drei Bischöfe zelebrierten das Pontifikalamt am Festtag, dem sich ein weltliches Miteinander vor der Kathedrale anschloss. Rund 50 Ballettkünstler konnten anschließend im Theater bei der Umsetzung von „ Peter Pan „ kleine und große Zuschauer begeistern.
Bei einem Gespräch mit der Deutschen Gemeinschaft, der Landsmannschaft der Deutschen, ging es zunächst um das 9. Internationale Deutschsprachige Theaterfestival, das vom 25. bis 28. Juni in Osijek angesiedelt war und an dem sich 12 Gruppen aus Kroatien – überwiegend aus Osijek – Rumänien und Ungarn beteiligten. Das Miteinander der einzelnen Nationalitäten der Stadt, ob Serben, Bosnier, Deutschstämmige und Kroaten verläuft problemlos betonte Renate Tritschler, die bei der Deutschen Gemeinschaft, die ihren Namen Volksdeutsche abgelegt hat, beschäftigt ist. Mit Nikolaus Mak, der jetzt in der Gespannschaft aktiv ist und kürzlich eine Delegation vom Landtag aus Baden – Württemberg durch Osijek führte, ging es um Strukturen der politischen Gliederungen, der Minderheitsrechte und um den wirtschaftlichen Strukturwandel. Der Vorsitzende der Deutschen Gemeinschaft Zorislav Schönberger ging bei dem Gedankenaustausch auf das Schulsystem ein. Erste Fremdsprache Klasse 1 ist Englisch. Deutsch kann ab der Klasse 4 gewählt werden.
Auch mit den Verantwortlichen der Kroatisch – Deutschen – Gesellschaft in Osijek gab es Gespräche. Dabei ging es um eine großflächige und eindrucksvolle Fotografieausstellung, die im Rahmen 200 Jahre „ Freie königliche Stadt Osijek“ von der Gesellschaft organisiert wurde und die eventuell auch in Pforzheim zu sehen sein soll. Die farbenfrohen Fotos geben einen lebendigen Einblick in die Natur und in das Leben der Stadt Osijek und seiner Bewohner. Bei der Eröffnung im März war auch eine Schülergruppe des Hildagymnasiums anwesend. Angesprochen auf die bereits 30- jährige regelmäßige Zusammenarbeit der Strossmayer Universität in Osijek und der Fachhochschule in Pforzheim war immer wieder zu erfahren, dass hier die Universität selbständig mit eigenen Mitteln handelt und daher nicht in die Austauschmaßnahmen der Stadtverwaltung eingebunden ist. Erstmals war ein Direktflug von Frankfurt – Hahn nach Osijek möglich. In zwei Stunden ist so unsere Partnerstadt erreicht. Allerdings geht dieser Flug nicht täglich. In Gelb getaucht sind im Augenblick auch weite Landstriche in Slawonien durch die gewaltigen Sonnenblumenfelder. Karin Kälber, die Beauftragte für Städtepartnerschaft, die auch für Osijek zuständig ist, begleitete Rolf Constantin.

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