Debut im Schmuckmuseum Pforzheim

Junge Schmuckdesignerinnen stellen aus – 28. November 2009 bis 10. Januar 2010

Bereits zum dritten Mal bietet das Schmuckmuseum Pforzheim jungen Schmuckdesignern die Gelegenheit, in der modernen Sammlung des Hauses auszustellen, von 28. November 2009 bis 10. Januar 2010. In diesem Jahr sind Stephanie Hensle, Laura Pregger und Susanne Wolbers ausgewählt, ihre Abschlussarbeiten zu präsentieren. Alle drei haben sie im Winter- oder Sommersemester 2009 den Studiengang Schmuck und Objekte der Alltagskultur bei den Professoren Christine Lüdeke und Andreas Gut an der Hochschule Pforzheim abgeschlossen. Ihren Arbeiten wohnt ein großer Kontrast zwischen dem verwendeten Material und seinen üblicherweise damit verbundenen Eigenschaften inne. Vor allem durch die unerwartete Art der Verarbeitung von Pelz, Kunststoffen und Porzellan entstehen Assoziationen, die sich bei näherer Betrachtung zerstreuen. So wird der Blick frei, die Dinge von einer ganz anderen Seite her zu betrachten. „Die Abgängerinnen bringen in ihren Arbeiten jeweils die eigene äußerst reflektierte Haltung zum Ausdruck. Sie drängt sich dem Träger oder der Betrachterin jedoch nicht auf, sondern lässt Raum für eigene Gedankengänge“, erläutert Museumsleiterin Cornelie Holzach.

Die Arbeiten zum Thema Fleisch von Stephanie Hensle bringen dessen ambivalente Eigenschaften zum Ausdruck: das Sinnliche, Erotische, Lebendige; das Morbide, Ekelerregende, den Tod. Die Schmuckkünstlerin frönt den beiden Seiten dieses polarisierenden Sujets, indem sie es zum Gegenstand von Schmuck macht. Da werden Kunststoffe, Steine und traditioneller Schmuck in Würste oder Braten gehüllt oder Überreste als Aufschnitt verpackt. Die feine Grenze zwischen Schönheit und Ekel wird sichtbar, wenn aufgeschnittenes Körperfleisch den Blick unter die hautfarbene Hülle ins Innere freigibt.

„Reihen + Folgen“ stehen im Mittelpunkt der Arbeiten von Laura Pregger. Die Baslerin hat für ihr Diplom Schmuck aus industriell hergestellter Porzellanware gefertigt. Das Porzellan wird dabei völlig aus dem vorigen Kontext und Zweck gelöst, lediglich als Material verwendet und verändert. Indem sie serielle Unikate entstehen lässt, kehrt die Schmuckdesignerin die Entwicklung vom Unikat zur Serienfertigung um. Bei ihr ist aus Bestehendem Neues geworden, das durch die Reduktion wiederum an Wert gewinnt.

In der Arbeit von Susanne Wolbers „Gangart – die Kunst des Gehens“ überzeugt die Einbeziehung von Naturmaterialien wie Muscheln, Fell oder Baumpilzen. Diese überführt sie sehr feinfühlig in einen künstlerischen Kontext, ohne deren Eigenart zu beschädigen. Die junge Künstlerin hat ein Austauschsemester an der Hochschule für Gestaltung in Stockholm und ein Praxissemester bei dem neuseeländischen Schmuckdesigner Warwick Freeman in Auckland absolviert.

Die Ausstellung ist bis zum 10. Januar im Schmuckmuseum Pforzheim zu sehen.

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